Sind Männer und Frauen wirklich von verschiedenen Planeten? … Warum Medizin für Frauen und Männer nicht gleich sein kann!

Dass es auf Medikamentenpackungen immer Dosierungshinweise für Erwachsene und Kinder gibt, ist Ihnen sicher schon aufgefallen. Aber haben Sie schonmal unterschiedliche Dosierungen für Männer und Frauen gesehen? Wahrscheinlich nicht. Gemäss jüngerer Studien würde es aber Sinn machen, denn Medikamente wirken bei Männern und Frauen unterschiedlich.

Aber fangen wir von vorne an. Krankheiten treten unterschiedlich häufig bei Männern und Frauen auf (damit meine ich natürlich nicht die geschlechtsspezifischen, wie z.B. Brustkrebs). So sind Frauen z.B. häufiger von Autoimmunerkrankungen, Osteoporose und Rheuma betroffen, Männer hingegen von Bluthochdruck, Herzinfarkten (wobei Frauen nach Menopause aufholen) und Hämorrhoiden. Warum das so ist, weiss man noch nicht so genau. Im Verdacht steht die unterschiedliche Körperzusammensetzung bei Männern und Frauen sowie der Hormonhaushalt, der sich bekanntermassen bei Mann und Frau unterscheidet. Auch der Stoffwechsel läuft nicht ganz identisch ab.

Nun hört es sich zunächst nicht so dramatisch an. Dass Frauen und Männer verschieden sind, wussten wir ja schon… Aber leider hat das mehr Konsequenzen als wir zunächst erahnen. So hat ein Dresdner Forschungsteam kürzlich herausgefunden, dass die Normwerte der Blutfette (die als wichtige Untersuchungswerte für das Risiko von Herzkrankheiten gelten) bei Männern und Frauen nicht identisch sind. Einige Männer hatten bereits bei Werten, die bisher als normal galten, ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Bluthochdruck, die Frauen jedoch nicht.

Was mich etwas überrascht hat, war, dass Frauen gemäss einer Studie aus Münster schmerzempfindlicher sein sollen als Männer.

Selbst wenn Krankheiten bei beiden Geschlechtern auftreten, können sich die Symptome unterscheiden. So äussert sich ein Herzinfarkt bei Frauen oft anders als bei Männern (Wie? Das können Sie gern nochmals hier nachlesen.). Das führt leider immer noch dazu, dass viel mehr Frauen an einem Herzinfarkt sterben als Männer, einfach, weil die Symptome nicht als Herzinfarkt und die Patientinnen damit nicht als Notfall eingestuft werden.

Und schliesslich kommen wir zum Finale mit den Arzneimitteln. Wie Sie sicher wissen, werden diese in der Entwicklungsphase zuerst an Tieren getestet. Doch meist werden männliche Tiere verwendet, weil sie einfacher zu züchten sind und keine Zyklusschwankungen haben. Beim Testen von Blutdruck- und Herzmedikamenten sind es etwa 80% männliche Tiere. Und auch im nächsten Schritt, dem Test bei Gesunden und Patienten in Studien ist es nicht viel anders. Es nehmen viel mehr männliche Probanden an Studien teil als weibliche. Die Ursache dafür ist im Studienprotokoll zu finden. So dürfen Frauen keine hormonellen Verhütungsmittel nehmen, während der Studie aber auch nicht schwanger werden.

Prof. Vera Regitz-Zagrosek ist Leiterin des Institutes für Gendermedizin der Charité Berlin und fordert ein Umdenken in der medizinischen Forschung: „Bei bei der Entwicklung eines neuen Arzneimittels, eines neuen Konzeptes, sollte gleich mitgedacht werden: Kann ich das Männern geben? Kann ich das Frauen geben? Soll ich das in gleicher Dosis geben? Oder macht es einen Unterschied, ob die Frau gerade ihre Menstruation hat?“

Wir wissen auch, dass Frauen viel mehr Nebenwirkungen bei Cholesterinsenkern, den Statinen, haben. Viele klagen über Muskelschmerzen. Also, lieber Leser, aber vor allem liebe Leserin, zögern Sie bitte nicht, Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin zu sagen, wenn Sie der Meinung sind, ein Medikament nicht zu vertragen.

Ich freue mich, wenn Sie hier mit mir diskutieren:

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