Fragen Sie Doc Google ? … Warum einfach zugängliche Daten gar nicht so einfach zu verstehen sind

Wir suchen heute zu allen möglichen Fragen die Antworten auf Google. Kürzlich hörte ich, dass Ärzte zunehmend genervt sind von den Patienten, die mit einem riesigen Halbwissen aus dem Internet zu ihnen kommen und zum Teil schon ihre Diagnose selbst gestellt und Therapievorschläge haben. Das kann ich gut verstehen, denn zum einen finden wir in der Medizin zu fast allen Themen ein Pro und ein Contra und zum anderen ist meist nur eine kurze Zusammenfassung von Studien im Netz frei verfügbar. Doch um Studien richtig zu verstehen, muss man oft sehr detailliert lesen. Und man kann auch nicht zu allen interessanten Themen ein Studie durchführen, denn für jede Studie braucht es die Zustimmung einer Ethikkommission.

Im Film „Voll verzuckert“, den ich Ihnen sehr empfehlen kann, stellten sie ein Experiment vor, in dem sie zeigten, dass Ratten sich mehr anstrengten, an Zucker zu kommen als an Kokain. Ich gehe mal davon aus, dass man den Beweis für Menschen nicht erbringen kann, weil man die Zulassung für den Versuch für Kokain nicht bekommen würde, für Zucker vielleicht noch … Aber nur vom Tierversuch allein kann man eben auch nicht immer auf den Menschen schließen. So hält sich immer noch hartnäckig die Überzeugung, dass Eier den Cholesterinspiegel derart in die Höhe treiben, dass es gefährlich für’s Herz wird. Aber diese Studie ist an Kaninchen gemacht worden, und Kaninchen essen im wahren Leben keine Eier sondern ernähren sich von Grünzeug. Auf den Menschen ließ sich dieser gefährliche Effekt von Eiern nicht übertragen.

Dann ist da auch noch die Frage nach Dosierungen. Sie wissen wahrscheinlich schon, dass ich ein großer Fan von Omega-3 Fettsäuren bin. Doch auch dazu gibt es Studien, die zeigen, dass dieses gesunde Fett keinen gesundheitsfördernden Effekt hat. Alle Studien, die zu diesem Ergebnis kommen, haben gemeinsam, dass man den Probanden Omega-3 in einer Dosierung unter 2 Gramm am Tag verabreichte. Die Studien, die zu einem positiven Einfluss auf unsere Gesundheit kamen, lagen in ihrer Dosierung darüber.

Aber wie ist das nun bei der Haltbarkeit von Implantaten? Die kann man doch einfach nachlesen, oder? Weit gefehlt .. Ich möchte Ihnen das an ein paar Beispielen zeigen und spreche hier über Herzklappen, weil ich darüber am meisten weiß. Es würde aber auch bei Zahnprothesen, orthopädischen oder allen anderen Implantaten funktionieren. Alle „Studien“ habe ich mir ausgedacht, damit sie einfach zum Erklären bleiben.

Stellen Sie sich vor, Sie finden 20 Jahresdaten der Herzklappe von Firma A und ebensolche von Firma B. Bei der Herzklappe A mussten 10 Herzklappen ersetzt werden, bei B 20. Dann ist die Herzklappe A besser, oder? Kann sein, muß aber nicht.

Zunächst mal muss nicht eine einzige Herzklappe 20 Jahre lang in einem Herzen gewesen sein. Die Jahreszahl sagt nur etwas darüber aus, wie lange die Studie lief, nämlich 20 Jahre. Wie lange die Patienten das Implantat hatten, steht nur in den Details, z.B. 10 Patienten hatten die Herzklappe 8 Jahre, 20 Patienten 5 Jahre, 50 Patienten 2 Jahre usw. Ein ganz guter Vergleich von Implantaten ist es, wenn man schaut wie lange alle Patienten zusammen die Herzklappe im Durchschnitt hatten. Und so kann es sein, dass die Patienten mit Herzklappe B ihr Implantat im Durchschnitt 8 Jahre im Herzen hatten, die Patienten mit Herzklappe A aber nur 4. Dann wäre natürlich die Herzklappe B besser.

Dann gibt es da noch den Trick mit den Patientenjahren. Kurze Erklärung, wenn Sie eine Herzklappe 5 Jahre in Ihrem Herzen haben, steuern Sie 5 Patientenjahre zur Studie bei, wenn ich meine 3 Jahre habe, sind es bei mir 3 usw. Stellen Sie sich vor es gibt 2 Studien mit jeweils 1000 Patientenjahren, bei der Herzklappe A mussten 10 Herzklappen ersetzt werden bei der Herzklappe B 20. Auf den ersten Blick denkt man doch, okay, die Herzklappe A ist besser, die will ich haben, wenn ich eine brauche, oder? Ich denke mir jetzt einen Extremfall aus, um es einfach zu erklären, so eine Studie gibt es nicht. Es könnte sein, dass 1000 Patienten die Herzklappe A jeweils 1 Jahr im Herzen hatten. Das würde heißen, dass 10 Herzklappen bereits im ersten Jahr kaputt gegangen wären. Die Herzklappe B haben 50 Patienten jeweils 20 Jahre im Herzen gehabt, und innerhalb von 20 Jahren mussten 20 ersetzt werden. Möchten Sie jetzt immer noch die Herzklappe A?

Und so gibt es viele kleine Details in Studien, die es in sich haben. Ich will Sie gar nicht weiter verwirren sondern Sie nur dafür sensibilisieren, wie kompliziert Studien sind. Oft geht um die Verkaufsförderung für die Firmen und um Einsparungen in den Krankenhäusern, die natürlich das billigere Modell bevorzugen, wenn es um kurzfristige Einsparungen geht. Das ist übrigens selbst bei Krankenversicherungen so, denn der Mitarbeiter, der heute dort angestellt ist, muss heute Kosten einsparen. Da nützt es ihm nichts, wenn sich ein Implantat durch längere Haltbarkeit erst in 15 bis 20 Jahren für eine Versicherung als vorteilhaft erweist.

Ich freue mich, wenn Sie hier mit mir diskutieren:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.